Das Verbindende der Kulturen

SEKTION:

Wechselbeziehungen zwischen der jüdischen, der slawischen und der deutschen Kultur

Agata Starowicz (Kraków)
Multikulturelle Stadt als Quelle der Identitätsschwierigkeit - Max Brod in Prag

Die Spannweite des Begriffs der Identität ist sehr groß. Sie reicht von "Ich bin, der ich bin" bis "Ich bin so, wie ich wahrgenommen werde." Das Selbstbewusstsein jedes einzelnen Menschen hängt davon ab, wie sein "Selbst" von anderen Menschen oder einer anderen Gruppe anerkannt wird und welche Stellung der einzelne Mensch in der Ordnung der Gesellschaft innehat. Wichtig ist aber, dass Identität und Geist nur Individuen und nicht Kollektiven zukommen. Die Identitätsfrage ist besonders in den multikulturellen Kreisen lebhaft. Das Prag der Jahrhundertwende war eine von drei Nationalitäten, d.h. von den Tschechen, den Juden und den Deutschen geprägte Stadt. Eine besondere ethnisch-kulturelle Situation Prags bildete die Szene deutschsprachiger Literatur in Böhmen und Mähren. Prag mit seinem literarischen "Prager Kreis" wurde mit der außergewöhnlichen Konzentration der Dichter (nicht nur der Juden, auch der Tschechen und der Deutschen) zum entscheidenden Bezugspunkt.

Das Referat fasst die Entwicklung der ideologischen und religionsphilosophischen Gedankengänge Max Brods in Prag zusammen. Sein Leben in dieser Stadt und seine damalige innere Entwicklung kann ohne seine Dichtung nicht begriffen werden. Brods "jüdische Phase" setzt mit dem Roman "Die Jüdinnen" (kastenhafte Abgrenzungen innerhalb der Prager deutsch-jüdischen Gesellschaft, die Gegensätze zwischen orthodoxem und assimiliertem Judentum) ein. Danach folgten: "Tycho Brahes Weg zu Gott", "Im Kampf um das Judentum", "Heidentum, Christentum, Judentum" und andere, die die Entwicklung des jungen Autors und sein Wachsen zum überzeugten Juden unter den anderen in Prag lebenden Nationen darstellen.

DAS VERBINDENDE DER KULTUREN