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Das Verbindende der Kulturen

SEKTION:

Sozialverträgliche Wissenschaftskulturen

Leitung der Sektion/Anmeldung von Referaten bei:
Email: Michael Strähle (Wien)

ABSTRACT: Das öffentliche Vertrauen in WissenschaftlerInnen schwindet, die Kritik an den Wissenschaften nimmt auch von innen her zu und die Bedeutung der Wissenschaften für die Politik nimmt ab. Die Medien machen bereits mit Kontroversen um neue wissenschaftliche Ergebnisse und Technologien auf. Was sind die gesellschaftlichen Aufgaben der Wissenschaften? Diese Frage wird immer häufiger gestellt. Die Politik steht somit vor der Aufgabe, die forcierte wirtschaftliche Nutzung wissenschaftlichen Wissens mit der erwarteten ökologischen und sozialen Verträglichkeit der Wissenschaften in Einklang zu bringen. Angesichts dieser Lage mutet der Glaube, wissenschaftliches Wissen, vor allem naturwissenschaftliches und technisches, entstehe unbeeinflusst von Interessen, seltsam naiv an.

Wie haben wir uns sozial verträgliche Wissenschaft vorzustellen? Wie ist sie organisiert und institutionell eingebettet?

Der Anspruch der Wissenschaften ist total. Die Verwissenschaftlichung von Lebensvollzügen - und damit deren Delegierung an Fachleute - führt zum Verlust von lebensweltlichem Wissen (Gernot Böhme). Wieviel Wissenschaft brauchen wir? Welche wissenschaftlichen Zugänge gibt es, diese Kolonisierung der Lebenswelt zu vermeiden? Methodologische Argumente können nicht zeigen, dass die Wissenschaften anderen Traditionen überlegen sind, noch kann man die Wissenschaften ihrer Ergebnisse wegen vor anderen Traditionen auszeichnen (Paul Feyerabend). Die Wissenschaften sind nur ein Bündel von Wissensformen unter anderen. Welche Rolle könnte den Wissenschaften zukommen? Kann wissenschaftliches Wissen mit anderen Wissensformen sich verbinden ohne diese zu dominieren? Welche epistemologischen und methodologischen Konsequenzen hätte ein nichtumfassender Anspruch der Wissenschaften?

Mittlerweile gibt es eine Reihe von Maßnahmen, Initiativen und Vorschlägen wie beispielsweise Konsensuskonferenzen, Wissenschaftsläden, erweiterte Peer Review und die Einbeziehung von KonsumentInnen in Forschungsprojekte, denen darum zu tun ist, die soziale Verträglichkeit der Wissenschaften durch die Mitbestimmung von BürgerInnen zu fördern, die nicht dem wissenschaftlichen Bereich angehören. Wird hier wirklich Mitbestimmung praktiziert oder werden Interessen in den Dienst genommen? Werden die BürgerInnen als PartnerInnen oder Bedürftige gesehen? Wie wird die soziale Verträglichkeit präsentiert?

Viele der Initiativen, die sich um sozial verträgliche Wissenschaftskulturen bemühen, bewegen sich am Rande oder außerhalb des Wissenschaftsbereiches, wenn sie nicht unsichtbar bleiben. Augenscheinlich ist dem wissenschaftlichen Bereich soziale Verträglichkeit nicht inhärent. Was steht sozialverträglichen Wissenschaftskulturen entgegen?

Die Universitäten sind nicht länger die alleinigen Orte, an denen bewertet wird, ob Wissen wissenschaftlich, soll heißen: rechtmäßig zustande gekommen ist. Die Disziplinierung der Wissensformen ändert sich. Welche neuen Formen der Disziplinierung sind entstanden? In welchem Verhältnis stehen diese zur verlangten sozialen Verträglichkeit der Wissenschaften?

DAS VERBINDENDE DER KULTUREN