Das Verbindende der Kulturen

SEKTION:

Sozialverträgliche Wissenschaftskulturen

Petra Schaper-Rinkel (Berlin)
Science Center und Technikmuseen: Public Understanding of Science als Grundlage für die Beteiligung der Öffentlichkeit an der zünftigen Wissenschafts- und Technikentwicklung?

Die öffentliche Verständigung über Wissenschaft und Technologie ist in den letzen Jahren aus ihrem Schattendasein herausgetreten. Die Europäische Kommission hat einen Aktionsplan, Öffentlichkeit und Gesellschaft aufgelegt, um das skeptische Verhältnis der europäischen BürgerInnen zur Wissenschaft zu verbessern. In Deutschland wird eine öffentlichkeitsorientierte Wissenschaftskommunikation u.a. durch Kampagnen wie dem diesjährigen "Jahr der Chemie" realisiert. Zukunftsorientierte Wissenschafts- und Technologiefelder werden in aufwändigen Ausstellungen präsentiert und finden Eingang in Technikmuseen (wie in dem im Entstehen begriffene Zentrum Neue Technologien im Deutschen Museum in München). Neben temporären Wissenschaftsausstellungen werden Science Center gegründet, die dauerhaft Public Understanding of Science betreiben. Science Center bringen ihren Besuchern wissenschaftliche, vor allem naturwissenschaftliche Phänomene und Zusammenhänge in experimenteller Weise nahe und regen über Hands-on-Exponate dazu an, aktiv zu experimentieren. Die Zahl der Science Center ist weltweit bereits auf über 1000 gestiegen. Diese Formen der Wissenschaftskommunikation, die sich an einer breiten Öffentlichkeit orientieren, sind heute zunehmend mit Widersprüchen konfrontiert. Einerseits sind Kennerschaft und Verständnis notwendig, um die gesellschaftlichen Implikationen naturwissenschaftlicher Forschung und technologischer Entwicklung zu überblicken. Andererseits wird es in einer Zeit, in der selbst Naturwissenschaftler nur noch die wissenschaftliche Entwicklung einzelner Aspekte ihrer Disziplin nachvollziehen können, auch mit ausgefeilten Methoden des Public Understanding of Science nicht gelingen, einer breiten Öffentlichkeit ein umfassendes Begreifen naturwissenschaftlicher Phänomene zu vermitteln. Exemplarisches Verstehen, Interesse und eine beispielhafte Vertrautheit mit naturwissenschaftlichen Phänomenen gehören jedoch zu den Grundlagen, um eine Mitbestimmung der Öffentlichkeit an zukünftigen wissenschaftlichen Entwicklungen zu ermöglichen und zu fördern. Widersprüchlich ist zugleich die Politik der Wissenschaftskommunikation: Einerseits soll das Verständnis für Wissenschaft - insbesondere Naturwissenschaften - erweitert werden: Wissen und Verständnis dienen in diesem Sinne den politischen Willensbildungsprozessen und können damit eine Grundlage für sozialverträgliche Wissenschaftskulturen sein. Auf der anderen Seite führen Standortwettbewerb und Beschleunigungsdruck dazu, dass Wissenschaftskommunikation auf Aktzeptanzbeschaffung ausgerichtet wird. In diesem Spannungsfeld steht die Entwicklung von Maßnahmen zum Public Understanding of Science. In dem Beitrag werden Konzepte des Public Understanding of Science - insbesondere die neueren Konzepte in Science Center und Technikmuseen - dargestellt und daraufhin analysiert, ob sie die Grundlagen für die Beteiligung der breiten Öffentlichkeit an der zünftigen Wissenschafts- und Technikentwicklung (mit) schaffen können.

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