Das Verbindende der Kulturen

SEKTION:

Minderheitenkulturen, Nationalkulturen und die Administration von Kultur

Ingrid Hudabiunigg (Chemnitz, Germany)
Das Konzept der europäischen Kulturhauptstädte (monokulturell, multikulturell, transkulturell?)

Der Beitrag soll herausarbeiten, welche Bandbreite an Kulturbegriffen in der rechtlichen Basis für die Kulturhauptstädte als "Botschafter der kulturellen Vielfalt Europas" vorgegeben sind. Präsentiert werden sollen jeweils: Unterschiedlichkeit und Vielfalt europäischer Kulturen, Gemeinsamkeiten in der Verschiedenheit der europäischen Kulturen, und künstlerische Stile und Bewegungen, die in der jeweiligen Kulturhauptstadt initiiert wurden. Wie aber wird das empfindliche Gleichgewicht zwischen "Hausgemachten" und Internationalem jeweils in der Praxis eines Kulturhautptstadtjahres hergestellt? Was wird nicht in elitären Nischen erarbeitet, wie weit werden Minderheitenkulturen und die Kulturen der MigrantInnen einbezogen, wo werden die Bewohner und Bewohnerinnen der jeweiligen Stadt selbst als Kulturtrager einbezogen, wo wird Kultur auf ihre soziale Leistungsfähigkeit hin befragt, inwiefern werden kulturelle Netzwerke auch fur die Stadtbewohner selbst nachhaltig geöffnet? Das Referat wird im zweiten Teil einen empirischen Vergleich der Konzepte der Kulturhauptstädte des mitteleuropäischen Raumes (Weimar 1999, Prag und Krakau 2000, Graz 2003) hinsichtlich ihrer mono- multi- und transkulturellen Projekte analysieren und ihre jeweiligen Programme hinsichtlich der hier angesprochenen Facetten hinterfragen. Eines scheint aber bereits festzustehen. Die verschiedenen Realisierungen des Konzepts der Kulturhauptstädte weisen weit über die Begrenzungen der Nationalkulturen hinaus Obwohl die Elemente einer transkulturellen und transnationalen Zivilgesellschaft nicht uberall gleich weit entwickelt scheinen, entstehen hier zukunftsweisende Schnittpunkte und Drehscheiben, die vielfältige Impulse fur die europäische Stadt des 21. Jahrhunderts setzen. Thematisiert wird der Wandel von einer homogenisierenden Kulturpolitik zu einer, die eine Heterogenität des kulturellen Ausdrucks zu verwalten hat. In welcher Weise sich in diesem Zusammenhang die europäischen (westlichen) "National"kultur-gesellschaften zu "culturally diverse societies" wandeln, werde ich in meinem Beitrag am Beispiel der bereits in den 1970er Jahren in Grossbritannien thematisierten "ethnic arts" zum einen und an einem Beispiel für Medienvielfalt - den erst in den 1990er Jahren entstandenen "freien Radios" Mittel- und Osteuropas besprechen Wie sich in der einen und in der anderen Weise Teilhabe-Ansprüche von minoritären Gruppen äußern, gilt mein besonderes Augenmerk, wobei die Kategorie "gender" wesentlich berücksichtigt wird.

DAS VERBINDENDE DER KULTUREN