Nichts trennt Österreicher und Deutsche mehr als die gemeinsame Sprache.
Allein dieses Bonmot, das Karl Kraus zugeschrieben wird, beinhaltet im wesentlichen den Kern einer Problematik, die sich über mehrere Bereiche erstreckt. Die unterschiedlichen Varietäten des Deutschen sind längst nicht mehr ein rein linguistischer Diskussionspunkt, längst haben die dort gewonnenen Erkenntnisse auch ein sprachpolitisches Spannungsfeld geschaffen.
In meinem Beitrag werde ich einen groben Überblick über die österreichische Sprachpolitik in der Zweiten Republik bieten, wobei ich den Schwerpunkt auf die Zeit des EU-Beitritts Österreichs setze. Nachdem diese Thematik aber sowohl eine linguistische, als auch eine ideologisch-politische ist, die sich aus der Wechselwirkung zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und politischer Umsetzung nährt und die - getreu dem Motto der Sektion - die Frage der "eigenen" (österrreichische) Sprachvariante bzw. der "fremden", ursprünglich als einzig wahrer Standard definierten bundesdeutschen Sprachvariante inkludiert, werde ich partiell nicht umhin kommen in den wissenschaftlichen Diskurs bezüglich des Österreichischen Deutsch einzusteigen, wiewohl dies nicht explizit Thema dieses Beitrages sein wird. |