Surplus Values of Scientific / Scholarly Communication: Die Konkurrenz
um die symbolischen Mehrwerte wissenschaftlicher Kommunikation
Gerhard
Fröhlich (Linz)
Derzeit dominante Funktion wissenschaftlicher Kommunikation, v. a. in „peer
reviewed“ Journalen, ist nicht die optimale Übermittlung wissenschaftlicher
Informationen, sondern die Zuteilung symbolischen Kapitals (im Sinne Pierre
Bourdieus). Symbolische Mehrwerte sollen v. a. über Peer Review und
Impact Ranking geschaffen und angeeignet werden. Die Beschränkung
auf interne wissenschaftliche Kommunikation bzw. auf peer reviewed / high
impact Journale, wie sie von vielen Wissenschaftsfunktionären kategorisch
gefordert wird (siehe neuere Österreichische Habilitationsordnungen),
ist ideologisch. Es vernebelt die Sicht auf Praktiken privilegierter Journale
bzw. Institutionen, mittels Massenmedien und tw. auch bereits des Internets
ihren Impact zu pushen: Wissenschaft war kaum jemals „rein“, wissenschaftliche
Kommunikation bestenfalls zeitweise bloß „intern“.
Nicht-Top-AutorInnen und Institutionen sollten sich nicht freiwillig
bei Peer Review und Impact ausgrenzen. Kongresse, Bücher, eJournals,
sollten sich diesen angeblichen „Qualitätsstempel“ zulegen - zugleich
aber offensiv Kritik an den bisher gebräuchlichen Formen von Peer
Review und vorgeblicher Impact-„Messung“ üben (kaum bekannte kritische
empirische Studien dazu gäbe es bereits viele, wenngleich auch hier
einfallsreichere und methodisch noch solidere Forschungsdesigns angebracht
wären) und innovativere Formen anstreben. Die Monopolansprüche
des ISI (Institute for Scientific Information, privatwirtschaftlicher Produzent
der derzeit allmächtigen Zitationsindices und einer einzigen, recht
willkürlich konstruierten Maßzahl, des ISI-Impact Factors) sowie
der Zeitschriften-Verlags-Lobby (einige wenige Verlage stellen den Großteil
der ISI-Pool-Journale) sollten durch Gegenprojekte zurückgedrängt
werden, siehe erfolgreiche Preprint-Server in der Physik und das Projekt
einer (internet-verteilten) “Universal Citation Base“ (Cameron). Letztere
würde alle Publikationstypen und die Beziehungen zwischen ihnen erfassen
und nicht wie das ISI nur einen kleinen, hochprivilegierten Ausschnitt
aus dem wissenschaftlichen Kommunikations-Geschehen.
Papers held at the conference "Knowledge Networking in Cultural
Studies" are published in
TRANS.
Internet journal for Cultural Studies, No. 10/2001
Published/last change: 2001-06-20
Location (URL): http://www.inst.at/termine/knowledge/froehlich.htm
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2001
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