Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse
Conference:
Knowledge Networking in Cultural Studies
Reichenau, May, 24-27, 2001
 
Programme
 TRANS No. 10: 
"Knowledge Networking in Cultural Studies" 
(since June 2001)
Presseinformation

Surplus Values of Scientific / Scholarly Communication: Die Konkurrenz um die symbolischen Mehrwerte wissenschaftlicher Kommunikation
Gerhard Fröhlich (Linz)

Derzeit dominante Funktion wissenschaftlicher Kommunikation, v. a. in „peer reviewed“ Journalen, ist nicht die optimale Übermittlung wissenschaftlicher Informationen, sondern die Zuteilung symbolischen Kapitals (im Sinne Pierre Bourdieus). Symbolische Mehrwerte sollen v. a. über Peer Review und Impact Ranking geschaffen und angeeignet werden. Die Beschränkung auf interne wissenschaftliche Kommunikation bzw. auf peer reviewed / high impact Journale, wie sie von vielen Wissenschaftsfunktionären kategorisch gefordert wird (siehe neuere Österreichische Habilitationsordnungen), ist ideologisch. Es vernebelt die Sicht auf Praktiken privilegierter Journale bzw. Institutionen, mittels Massenmedien und tw. auch bereits des Internets ihren Impact zu pushen: Wissenschaft war kaum jemals „rein“, wissenschaftliche Kommunikation bestenfalls zeitweise bloß „intern“.

Nicht-Top-AutorInnen und Institutionen sollten sich nicht freiwillig bei Peer Review und Impact ausgrenzen. Kongresse, Bücher, eJournals, sollten sich diesen angeblichen „Qualitätsstempel“ zulegen - zugleich aber offensiv Kritik an den bisher gebräuchlichen Formen von Peer Review und vorgeblicher Impact-„Messung“ üben (kaum bekannte kritische empirische Studien dazu gäbe es bereits viele, wenngleich auch hier einfallsreichere und methodisch noch solidere Forschungsdesigns angebracht wären) und innovativere Formen anstreben. Die Monopolansprüche des ISI (Institute for Scientific Information, privatwirtschaftlicher Produzent der derzeit allmächtigen Zitationsindices und einer einzigen, recht willkürlich konstruierten Maßzahl, des ISI-Impact Factors) sowie der Zeitschriften-Verlags-Lobby (einige wenige Verlage stellen den Großteil der ISI-Pool-Journale) sollten durch Gegenprojekte zurückgedrängt werden, siehe erfolgreiche Preprint-Server in der Physik und das Projekt einer (internet-verteilten) “Universal Citation Base“ (Cameron). Letztere würde alle Publikationstypen und die Beziehungen zwischen ihnen erfassen und nicht wie das ISI nur einen kleinen, hochprivilegierten Ausschnitt aus dem wissenschaftlichen Kommunikations-Geschehen.


Papers held at the conference "Knowledge Networking in Cultural Studies" are published in
TRANS. Internet journal for Cultural Studies, No. 10/2001

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Published/last change: 2001-06-20       Location (URL): http://www.inst.at/termine/knowledge/froehlich.htm
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